Haare fressen

Haarefressen ist eine Verhaltensstörung, die viele verschiedene Ursachen haben kann.
Diese Unart kann sich bei ausgewachsenen Meerschweinchen als auch bei Jungtieren zeigen. Gelegentlich kommen in manchen Rudeln sogar mehrere Haarefresser vor, was unter anderem vermuten lässt, dass sich insbesondere Jungtiere manchmal durch reines Abgucken zur Nachahmung hinreißen lassen.

Die betroffenen Meerschweinchen stellen ihren Käfiggenossen (auch artfremden Tieren) nach, kauen + knabbern deren Haare an oder zupfen ganze Strähnen aus, um sie komplett zu vertilgen. Seltener kommt das Beknabbern der eigenen Körperbehaarung vor. Langhaartiere sind die beliebtesten Opfer von Haarefressern aber auch Kurzhaartiere bleiben nicht immer verschont.

Folgende Ursachen werden diskutiert:
Langeweile bzw. Beschäftigungsmangel, eintönige Käfigeinrichtung (Käfigneurose]
Überbelegung, zu kleiner Käfig, Entstehung von Stress, Aggression
Mineralien- u./o. Vitaminmangel (insbesondere bei Zuchtweibchen und deren Jungtieren)
Magen- und Darmstörungen
Rohfasermangel (nicht genügend Heu, schlechtes Heu)

Maßnahmen zur Abhilfe
Grundfläche des Käfigs vergrößern oder Besatzdichte verringern (ein Meerschweinchen sollte 0,4-0,5m² zur Verfügung haben)
Käfigeinrichtung interessanter gestalten (z.B. durch Einziehen von zusätzlichen Ebenen, Aufstellen von Pappkartons und Röhren, Futterverstecke ausdenken/ basteln usw.),
genügend Anreize zum Rennen, Klettern, wühlen, Suchen und Scharren schaffen
Mehr Auslauf ermöglichen
Haarefresser nur mit Kurzhaartieren vergesellschaften.
Stets gutes Heu zur freien Verfügung (nicht nur aus ernährungsrelevanten Gründen, sondern in diesem Fall hauptsächlich der Beschäftigung dienend)
Umstellung des Futters (Optimierung der Nährstoffzufuhr) kann versucht werden, bzw. haben in manchen Fällen schon den gewünschten Erfolg gebracht. Einfach nur extra Mineralien zuzufüttern oder Angebot von Salzlecksteinen dürften sich bei einem optimal zusammengesetzten Futter erübrigen bzw. möchte ich dies nicht einfach unbedarft empfehlen, zumal ein Zuviel auch wieder gesundheitlich bedenklich (u .U. nierenschädigend) sein kann. Vitaminreiches Frischfutterangebot ist immer gut.

Weniger empfehlenswertes aber dennoch hilfreiches Mittel, um die Meerschweinchen vor den kleinen Friseuren im selben Käfig zu bewahren:
Das Fell der Opfer in regelmäßigen Abständen dünn mit Nerzölspray (Hundepflegeartikel aus Zoohandlungen) einsprühen.
Nachteil: a) das Haar wird durch das Spray strähnig fettig und sieht deshalb unschön aus
b) die armen Nerze, die dafür ihr Leben lassen mussten.

Leider ist die Unart Haare zu fressen nicht immer heilbar, je länger sie schon besteht, umso aussichtsloser sind die Versuche dagegen anzukommen. Dennoch sollten alle erdenklichen Maßnahmen versucht werden, um den betroffenen Meerschweinchen zu helfen, zumal die Haarefresserei für sie nicht ungefährlich ist, da sich die gefressenen Haare im Verdauungstrakt zusammen ballen können mit möglichen Folgen wie Verstopfung, Darmverschluss und Tod. Wenn Haare gefressen wurden, kann man den Schweinchen Malt-Paste (Zoohandlung) geben, welche ein Verklumpen verhindern hilft. Frischer Ananassaft ist ebenfalls ein gutes Mittel bei Verstopfung.

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